In jeder Gruppe, egal ob Kinder oder Erwachsene, finden laufend Gruppenprozesse statt.
Diese zu beobachten ist auf Ferienmassnahmen nicht selten wichtig.
Während Betreuer erkennen können, wer z.B. in der Gruppe was zu sagen hat oder auch welche Kinder unterdrückt oder ausgegrenzt werden, sollte ein Leiter sehen, welche Rollen die Betreuer einnehmen; ob z.B. einer den anderen durch zuviel Engagement ausbremst.
Das Wissen ob solcher Prozesse kann Betreuern immer wieder erklären, warum sich Kinder speziell jetzt so oder so verhalten.
Anfangs- und Orientierungsphase
Die Anfangsphase kennzeichnet sich besonders dadurch, dass die einzelnen TN untereinander noch sehr unsicher sind !
Nicht selten sind Clownereien, aber auch die Wahrung von Distanz und Schutz, sowie anfängliche Zurückgezogenheit zu beobachten !
Kinder haben meist noch keine festen Bindungen, zeigen Ihnen gewohnte Verhaltensmuster und zeichnen sich durch geringe Übernahmen von Verantwortung aus !
Andere Teilnehmer werden schnell in "Schubladen" (Alleswisserin, Dummkopf) gesteckt !
Geltende Normen in der Gruppe (Wie spricht man?) werden gesucht, Betreuer(und Grenzen) ausgetestet !
Handlungsansätze der Betreuer
Betreuer sollten in erster Linie helfen Ängste abzubauen und den Kindern positive Erfahrungen zu ermöglichen !
Sinn macht eine gute Programmplanung (Gruppe ist noch kaum in der Lage selber aktiv zu werden) und die Vorgabe klarer Strukturen (Zeitrahmen, Absprachen,...)
Förderungsmöglichkeiten des Gruppenprozesses
Betreuer können die Gruppe besonders durch Kennenlernspiele, einer Hausrallye, Kontaktspiele und Partnersuchspiele fördern !
Auf diesem Wege können sich die Kinder beschnuppern und ein wenig kennenlernen !

Machtkampf- und Kontrollphase
Im Vordergrund stehen Rivalitäten, es bilden sich Sympathien und Aggressionen ! Besonders die Betreuer werden in ,,Kämpfe" mit hineingezogen. Es wird von den Gruppenmitgliedern eine Rangordnung in der Gruppe erkämpft.
Die Beziehungen unter den Kindern kennzeichnen sich besonders dadurch, dass sie persönlicher werden. Kinder gehen dazu über, anstatt "sich künstlich zu geben", (wieder) alltägliches Verhalten zu zeigen ! Es werden mehr Gefühle gezeigt, jeder versucht, das Gruppengeschehen zu beeinflussen. Dabei kommt es nun auch zu Rangeleien um Führungspositionen innerhalb der Gruppe. Betreuer werden kritisiert und deren Tätigkeiten in Frage gestellt / diskutiert !
TN reagieren kritisch, teils erbost, teils ablehnend, um das eigene Territorium abzustecken, schliessen sich zusammen, führen Statuskämpfe und Verteidigungsmanöver !
Letztlich geht in dieser Phase alles darum, dass Kinder ihren "Platz" finden wollen und müssen !
Handlungsansätze der Betreuer
Betreuer sollen Möglichkeiten bieten, dass Machtkämpfe ausgetragen werden können ! Sinn macht auch, zunehmend Programm anzubieten, in dem Kinder kooperieren müssen ! Betreuer sollten die eigene Position (motivierter Ferienpartner mit wichtigen Verantwortungen) verdeutlichen und wichtige Rahmen auf der Maßnahme abstecken! Den Kindern soll deutlich gemacht werden was Mitbestimmung heißt und welche Möglichkeiten der Mitbestimmung bestehen. Klare Gruppennormen werden gemeinsam mit den Gruppenmitgliedern abgesteckt.
Förderungsmöglichkeiten des Gruppenprozesses
Fördern kann man den Prozess durch Geschicklichkeitsspiele, Kooperationsspiele, Wettkampfspiele (zur Austragung von Machtkämpfen), Spiele ohne Sieger (um die Gruppe wieder zusammenzubringen) und Spiele, bei denen jeder seine Fähigkeiten einbringen kann.
Vertrauensphase
Langsam kennen die Kinder einander ganz gut.
Sie wissen
- die Vorlieben der anderen Teilnehmer, wer was gerne macht,
- wie andere Kinder in bestimmten Situationen reagieren und
- haben in der Gruppe Umgangsregeln etabliert
Bekannte Gesichter und Regeln vermitteln den Kids Sicherheit und möchten deshalb auch möglichst nicht verändert werden. Es ist die Zeit, in der die Gruppe gerne demonstriert, dass sie zusammengehört und dabei versucht, sich gegen andere Gruppen und/oder Institutionen erstmals abzugrenzen, nach dem Motto "Wir von der AWO sind viel besser wie die vom BRK .... !"
Handlungsansätze der Betreuer
Diesen Prozess des "Wir-Gefühls" sollte ein Betreuer genau im Blick haben:
Oft geht diese Phase auf Kosten unterschiedlicher Meinungen und Wünsche einzelner Gruppenmitglieder, die von der Gruppe nicht zugelassen und unterdrückt oder "bestraft" werden. Betreuer sollten der Gruppe in dieser Zeit langsam und immer wieder vermitteln, dass sie immer noch eine Gemeinschaft sind, auch wenn jemand nicht mitspielen will, eine andere Meinung hat oder wenn ein neues Kind zur Gruppe dazukommen will.
Es muss klar sein, dass - und wie - demokratische Entscheidungen gefällt werden - und dass jeder Teilnehmer bereit sein muss, sich auf Kompromisse einzulassen.

Differenzierungsphase
In dieser Phase ist das "Wir-Gefühl" am stärksten:
- Kinder heben sich ab und spielen ihre eigene Rolle
- jedes Mitglied steht stark hinter der Gruppe, bzw. die Gruppe hinter jedem ihrer Mitglieder
- die Gruppe hat erkannt, dass jedes Kind mit seiner Meinung für ihr Weiterbestehen wichtig ist
- Auseinandersetzungen und Konflikte werden auf sachlicher und nicht mehr auf emotionaler Ebene ausgetragen
- sie werden so gelöst, dass es zum Wohle aller ist
- auch Entscheidungen werden sachlich abgewogen
Die Gruppe ist nun eine wirkliche Gruppe ! Alle Mitglieder haben ihren Platz. Sie ist stark und hat auch keine Probleme, neue Mitglieder aufzunehmen, wenn diese sich in den Prozess einfügen und den aufgestellten Gruppenregeln anpassen.
Die Kindergruppe sucht Kontakt zu anderen Gruppen. Sie möchte sich in der Öffentlichkeit präsentieren und ist in dieser Phase zu großen Leistungen fähig.
Handlungsansätze der Betreuer
Betreuer werden in dieser Phase immer entbehrlicher. Ihre Aufgabe ist es nun, die richtigen Aufgaben an die Gruppe heran zu tragen und die Kontaktaufnahme zu anderen Gruppen zu ermöglichen. Als Programmpunkte würden sich in dieser Phase z.B. Interaktionsspiele oder Projektarbeit anbieten.
Ablösephase
Jede Freizeit geht einmal zu Ende und braucht einen Abschluß . Die Kinder sind einander näher gekommen, ihre Lebensumstände haben sich verändert, es gibt neue Interessen und Ziele. Die Trennungsphase ist von widerstreitenden Gefühlen begleitet: Trauer, daß eine schöne Zeit vorbei ist, Unruhe, weil anderes interessanter geworden ist, Unsicherheit, weil unklar ist, was danach kommt, vielleicht auch Erschöpfung, weil fast alles gespielt ist und die Beziehungen alltäglich geworden sind.

