Einführung
Seit einiger Zeit ist es in Deutschland sehr trendy deutschen Hardcore-Rap zu hören. Dazu gehört die Musik des Labels Aggro Berlin (Sido, Bushido), aber auch Interpreten wie MC Bastard und King Orgasmus. Dabei handelt es sich bei den Liedtexten dieser Interpreten nicht immer um Dinge, die für Kinderohren bestimmt sein sollten. Wörter wie "Fuck", "Hure" o.ä. sind in solchen Lieder Gang und Gäbe. Als Betreuer einer Kinderfreizeit sollte man sich bezüglich dieses Themas unbedingt klar darüber sein, WAS die Kinder hören, ob es erlaubt ist und WIE ich damit umgehe, wenn die Musik eindeutig nichts für Kids ist.
Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende
Medien
Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen gibt es in Deutschland die BPjM, die entscheidet, wann ein Medieninhalt jugendgefährdend ist und die informiert, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um zu verhindern, dass Kinder und Jugendliche mit derartigen Inhalten konfrontiert werden.
Linktip: http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/jugendmedienschutz.html
Dies tut sie und hat dabei folgende .....
Rechtliche
Grundlage
Wann eine Jugendgefährdung besteht, regelt der
§ 15 JuSchG Abs. 2.
Dieser besagt inhaltlich, dass Medien jugendgefährdend
sind, wenn sie
1.
einen der in § 86, § 130, § 130a, §
131, § 184, § 184a oder § 184b des Strafgesetzbuches
bezeichneten Inhalte haben,
2. den Krieg verherrlichen,
3.Menschen, die sterben oder schweren körperlichen
oder seelischen Leiden ausgesetzt sind oder waren, in einer
die Menschenwürde verletzenden Weise darstellen und
ein tatsächliches Geschehen wiedergeben, ohne dass
ein überwiegendes berechtigtes Interesse gerade an
dieser Form der Berichterstattung vorliegt,
4.Kinder oder Jugendliche in unnatürlicher, geschlechtsbetonter
Körperhaltung darstellen oder
5.offensichtlich geeignet sind, die Entwicklung
von Kindern oder Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer
eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit
schwer zu gefährden.
Deutscher
Rap / Hip Hop
Wenn man sich nun Texte anhört wie
"Mc
Bastard der kleine Mann - renn und versteck deine Familie
denn bald komm ich an das Mikro ran - Ich hab Fun- Ich will
dich Töten - "yeah"
Jetzt liegst du 6 Fuß unter der Erde - Und deine Mutter
muß bei mir Flöten"
(Auszug aus MC Bastards' Hardcore Horror Rap)
oder
"Ein
Schwxxx in den Axxxx, ein Schwxxx in den Mxxx
Ein Schwxxx in die Fxxxe, jetzt wird richtig gebxxxt
Es ist Gang Ga Gang Ga Gang Gang Gang Bang
Bushido, Saad und Bass Sultan Hengzt"
(Auszug aus Bushido's "GangBang") ,
dann sollte einem als Betreuer auf einer Kinderfreizeit schnell klarwerden, dass dies alles andere als erlaubt sein kann. Egal ob indiziert oder nicht.
Handlungsansätze
für Betreuer
Gleich vorab
:
Nicht
jeder deutsche Rap ist schlecht und
ich bin dagegen, Kindern ihre Musik zu verbieten,
geschweige denn, sie ständig auszuhorchen.
Aber Vorsicht:
In einem Artikel der "Welt" steht richtig:
Die BPjM
wendet ein, die Texte des Berliner Plattenlabels und ihres
Erfolgsrapper Sido überschritten Grenzen und
würden von Schulkindern nachgeahmt. Oft wüßten
Eltern nicht, welche Songs sich ihre Sprößlinge
in Musikkanälen, auf CDs oder im Internet zu Gemüte
führten. Die Prüfstelle moniert vor allem den
abwertenden Umgang mit Mädchen, die in den Texten oft
als "Nutte" oder "Muschi" bezeichnet
werden.
(Der ganze Artikel: (http://www.welt.de/data/2005/06/29/738403.html)
Mein Rat
- Man kann als Betreuerteam
vor einer Freizeit Eltern bereits mitteilen (Brief,
Vortreffen, Telefonat), dass alles, was jugendgefährdend
ist, zuhause bleiben soll und im Ferienlager selbst
eingesammelt wird, um die Kinder und die Gemeinschaft
zu schützen.
- Auf der Freizeit selbst
würde ich es unterlassen, aktiv die Initiative
zu ergreifen und die Kinder nach ihrer Musik "auszuhorchen".
Jedes Kind hat ein Recht auf Privatsphäre und sollte
sich frei fühlen dürfen. Klar.
- Sollte im Ferienlager
Musik öffentlich laufen, wäre es dennoch wichtig
für einen Betreuer hinzuhören, was
läuft.
- Sollten eure Kinder
dann Lieder hören, die sexuelle Gewalt, Drogenverherrlichung,
Herabwürdigung von Frauen und offener Rassismus
propagieren, dann macht es Sinn
- mit den Kindern zusammen
das Gespräch zu suchen.
Klärt mit ihnen, warum sie solche Musik denn überhaupt hören !
Wissen sie denn, was solche Texte bedeuten ?
Versucht, die Kinder über das Gespräch selbst zur Einsicht zu bringen, daß aggressive Musik dieser Art für Kinder nicht das Richtige darstellt ! Sie ist erniedrigend, verleitet zur Nachahmung und vermittelt falsche Vorbilder.
- zum Schutze des Kindes
und der Gemeinschaft - das öffentliche Abspielen
dieser Musik zu unterbinden.
- Ob das einzelne Kind es dann privat hören darf, klärt ihr dann am besten zusammen mit dem Träger oder den Eltern.
