In einer Gruppe finden und entwickeln sich immer bestimmte Rollen, die einzelne Kinder wahrnehmen. Für die Gruppenleiter ist es wichtig, die Rollen, in die ein Kind schlüpft, wahrzunehmen (und noch nicht sofort bewerten oder steuern!). Erst auf lange Sicht kann der Gruppenleiter versuchen, den Kindern Wege aufzuzeigen, aus einem künstlichem Rollenverhalten zur echten Findung der eigenen Person zu gelangen.

Folgende Rollen finden sich in den meisten Gruppen:
- Clowns: Ein Clown versucht, sich durch Späße und Lacher beliebt zu machen. Oft steckt dahinter aber die Angst, ohne die Aufmerksamkeit zum Außenseiter zu werden. Daher nimmt ein «Clown» auch in kauf, sich selber lächerlich zu machen - «lieber das, als unbeachtet bleiben...»
- Außenseiter : Ein Kind kann zum Außenseiter werden, weil es einfach nur stiller ist als die anderen, aber auch, weil es sozial gestört ist oder durch Probleme (z.B. zu hause) gehemmt ist. Außenseiter fühlen sich in ihrer Rolle selten wohl, haben aber noch mehr Angst davor, ins «Rampenlicht» zu treten und sich dabei eventuell zu blamieren.
- Meinungsmacher («Chef») : Was der Chef bestimmt, wird gemacht - zumindest sieht der Meinungsmacher darin die Bestätigung seiner Person. Ein Meinungsmacher lebt von seinen «Gefolgsleuten». Es gibt Meinungsmacher, die sich so in ihrer Rolle verfestigt haben, dass sie ohne die Bestätigung der anderen nicht mehr sein können.
- Mitläufer: Ein Mitläufer schließt sich gerne der Meinung und der Stimmung des Meinungsmachers an - das ist bequemer, als sich selbst eigene Urteile zu bilden.
- Vermittler: Ein Vermittler sieht seine Aufgabe darin, zwischen Meinungsmachern und Außenseitern, aber auch bei sonstigen Meinungsverschiedenheiten zu vermitteln.
- Organisatoren: Ein Organisator tritt immer dann auf den Plan, wenn «geschäftliche» Dinge anstehen. Sind Pläne aufzustellen oder Abläufe zu koordinieren, so übernehmen sie die Führung, ansonsten halten sie sich auch mal gerne im Hintergrund auf.
- Leitfiguren: Im Gegensatz zu den Meinungsmachern haben sich Leitfiguren nicht selber auf einen Sockel gehoben, sondern sind zum allseits akzeptierten «Champ» geworden, ohne dass sie es darauf angelegt haben. Leitfiguren kann eine solche Rolle auch unangenehm werden, sie können sich aber auch daran gewöhnen und sich selbst zum «Chef» aufschwingen.
Selbstverständlich gibt es noch viele weitere Rollen, die sich mehr oder weniger von den genannten unterscheiden. Klare Rollen sind in einer Gruppe schnell geschaffen, lassen sich aber nur schwer wieder verändern (vor allem in einer Jungengruppe - dazu später mehr). Darunter können die Kinder stark leiden, vor allem auch dann, wenn die Rolle, in der sie sich befinden, dem Kind nicht gerecht wird. WICHTIG : Lasst den Kindern ausreichend Zeit und Freiheit, ihre Rollen selbst zu finden bzw. zu verändern. Manche Kinder suchen sich bewußt Rollen, die sich deutlich von ihrer Rolle zuhause oder in der Schule unterscheiden. Sie probieren aus - und das ist extrem wichtig für ihre Persönlichkeitsentwicklung. Unterstützt aber die Kinder, die sich aus ihrer Rolle befreien wollen und daran von der Gruppe behindert werden!
(mit freundlicher Genehmigung der Karl-Leisner-Jugend)
